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Freude am Sport – auch eine Frage der Trainerkompetenzen

Welche Fähigkeiten sollte ein Trainer besitzen, um Sportler positiv mental mitzunehmen?

Coaching
Eine kleine Gruppe aus vier Spielerinnen der deutschen U 15-Juniorinnen während des Trainings vor dem Freundschaftsspiel gegen die U 15-Juniorinnen der Niederlande.
    • Vier Schlüsselkompetenzen des Trainers tragen besonders zur Förderung von positiven Empfindungen von Trainierenden bei.
    • Die Kontextsensibilität, die Fachkompetenz und die sozial-emotionale Kompetenz bilden die Grundlage für die verhaltensspezifische Kompetenz.
    • Vereinfacht ausgedrückt betrifft es die Fragen: a) In welcher Situation findet das Training statt? b) Was wird gemacht? c) Wie wird es gemacht? d) Welche Anpassungen sind nötig?

Abstract

Was macht einen Trainer aus, der Freude am Sport vermittelt? Ein Psychologenteam hat dazu Freizeitsportler aus verschiedenen Sportarten befragt und aus den Antworten ein Modell der Trainerkompetenzen entwickelt. Das Modell zeigt, welche Qualitäten ein Trainer mitbringen muss, um positive Empfindungen bei den Trainerenden und eine positive Trainingsstimmung zu erreichen. Die verhaltensspezifischen Kompetenzen (Motivation, Anpassung, Organisation) nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Ein adäquates und positiv stimmendes Trainerverhalten ist allerdings erst auf Grundlage allgemeiner Basiskompetenzen (sozial-emotional, Fachkompetenz, Kontextsensibilität) möglich.

Kompetente Coaches helfen dabei, dass Sportler „am Ball bleiben“

Beim Beginn von regelmäßigem sportlichen Training entscheiden die ersten sechs Monate meist darüber, ob jemand weiter macht oder das „Handtuch schmeißt“. Der Trainer spielt bei dieser Entscheidung eine überaus bedeutsame Rolle. Wenn es ihm gelingt, seine Kompetenzen richtig einzusetzen und somit positive Empfindungen bei den Sportlern hervorzurufen, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit „am Ball“ bleiben.

Was sind das aber für Trainerkompetenzen, die Sporttreibende positiv beeinflussen? Um das herauszufinden, haben Sportpsychologen eine Reihe von Interviews durchgeführt. Die befragten Personen (18 Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren) betrieben Freizeitsport (Individualsport, Mannschaftssport, Fitnesstraining). Aus den Antworten auf die Frage, welche Trainer-Eigenschaften positive Reaktionen bei ihrem Sporterleben auslösen, entwickelten die Psychologen ein Modell, das Kompetenzen des Trainers kategorisiert und in Zusammenhang stellt (s. ABB. 01).

Trainer-Eigenschaften bzw. Kompetenzen des Trainers, die positive Reaktionen bei Sportlern auslösen, sind in diesem Modell kategorisiert und in Zusammenhang gestellt.

Modell der Trainerkompetenzen

Das Trainerkompetenz-Modell umfasst vier Hauptkategorien. Zu den drei allgemeinen Kompetenzen des Trainers zählen:

  1.  Kontextsensibilität (In welcher Situation findet das Training statt?)
  2.  Sozial-emotionale Kompetenz (Wie wird es gemacht?)
  3.  Fachkompetenz (Was wird gemacht?)

Diese Kompetenzen bilden die Voraussetzungen für die vierte Hauptkategorie, die verhaltensspezifische Kompetenz (s. ABB. 01).

Immer im Kontext

Unter Kontextsensibilität versteht man die Fähigkeit des Trainers, verschiedene situative Aspekte zu erkennen und auf unterschiedliche Faktoren (Alter, Geschlecht, Persönlichkeit der Trainierenden, körperliche und soziale Bedingungen) entsprechend einzugehen. Junge Menschen sollte der Trainer beispielsweise anders ansprechen (Wortschatz, Formulierung) als ältere Personen. Die Kontextsensibilität hängt stark von der Erfahrung des Trainers ab. Aus den Interviews geht deutlich hervor, dass die Teilnehmer von ihrem Trainer erwarten, dass er Verhalten und Kommunikationsweise auf die spezifischen Gegebenheiten der Gruppe oder einzelner Personen anpasst (Kultur, Milieu, Geschlecht etc.). Als grundlegende Kompetenz beeinflusst die Kontextsensibilität alle anderen Trainerkompetenzen.

Empathie und mancherlei Management: die sozial-emotionalen Kompetenzen

Die sozial-emotionalen Kompetenzen lassen sich mit der Fähigkeit beschreiben, eine positiv-unterstützende und angemessene Beziehung zu den Sportlern zu entwickeln. Drei Unterkategorien werden unterschieden:

  • Beziehungsmanagement,
  • Empathie und
  • Selbstmanagement.

Ein Trainer, der das Beziehungsmanagement beherrscht, schafft in der Interaktion mit den Sportlern ein Beziehungsverhältnis, das sich durch geeignete Kommunikation (klare Anweisungen, Rückfragen, Wiederholen, eindeutiges Feedback), adäquates Führungsverhalten (situativ demokratischer, autoritärer oder laissez-fairer Führungsstil) auszeichnet.

Empathie ist die Voraussetzung für ein gutes Beziehungsmanagement. Mit Empathie ist die Fähigkeit gemeint, sich in die Perspektive eines anderen Menschen hinein zu versetzen und so Verständnis für die Situation dieser Person zu entwickeln. Ältere Personen bekräftigten im Interview, wie außerordentlich wichtig es sei, dass der Trainer ein Gefühl für die speziellen Bedürfnisse der Senioren entwickelt. Manche Trainer „spüren“, wenn ein Teilnehmer beispielsweise Probleme mit der Hüfte oder den Knien hat. Geht der Trainer dann individuell auf die Person ein, wird ein insgesamt positiv gestimmtes Umfeld geschaffen.

Die dritte Unterkategorie der sozial-emotionalen Kompetenzen ist das Selbstmanagement. Mit dieser Kompetenz ist der Trainer in der Lage, die eigenen Emotionen regulieren zu können, um eine angemessene Interaktion mit den Sporttreibenden herzustellen. Ein gutes Selbstmanagement zeigt sich anhand folgender Attribute: Seriosität, Aufmerksamkeit, Selbstkontrolle, Authentizität und Demut.

Der Trainer als Sportartexperte

Die Fachkompetenz spiegelt die sportartspezifische Expertise eines Trainers wieder und umfasst theoretische Kenntnisse wie auch praktische Fertigkeiten, um Techniken, Übungen und Spielabläufe zu demonstrieren. Das Modell unterscheidet bei der Fachkompetenz zwei Unterkategorien:

1. Motorische Fähigkeiten:
Diese Kompetenz benötigt der Trainer, um den Trainierenden Bewegungsabläufe in korrekter Weise demonstrieren zu können, zum Beispiel die genaue Ausführung einer Übung an einem Fitnessgerät oder die korrekte Ballan- und -mitnahme beim Fußball.  

2. Fachwissen:
Bei dieser Kompetenz handelt es sich um das sportartspezifische Know-how, das sich ein Trainer bei Lehrgängen oder im Studium und über jahrelange Erfahrung angeeignet hat. Trainer mit großem Fachwissen sind in der Lage, die Trainierenden richtig anzuleiten und Fehler zu erkennen.

Motivierend, adressatengerecht, strukturiert: Verhaltensspezifische Kompetenzen

Die verhaltensspezifischen Kompetenzen fußen auf den oben beschriebenen allgemeinen Kompetenzen. Sie beschreiben Fähigkeiten, mit denen der Trainer unter Beachtung der sozialen und inhaltlichen Vorbedingungen ein speziell auf die Trainierenden zugeschnittenes Training durchführen kann. Die verhaltensspezifischen Trainer-Kompetenzen lassen sich in drei Unterkategorien gliedern:

  • die Motivationskompetenz,
  • die Anpassungskompetenz,
  • die Organisationskompetenz.

Die Motivationskompetenz zeigt sich darin, dass der Trainer durch Ermunterung, Lob und Humor die Sportler anregt. Mit diesem Verhalten schafft er eine positive und motivierende Grundstimmung. Bei den Interviews sprachen die Trainierenden häufig den Zeitpunkt an, an dem sie das Gefühl haben, bei intensiver Belastung nicht mehr länger durchhalten zu können und sofort stoppen wollen. Wenn der Trainer dann aber neben ihnen stehe und sie dazu animiert, gegen einen Abbruch der Übung anzukämpfen, motiviere es sie derart, dass sie länger als gedacht durchhalten.

Die Anpassungskompetenz befähigt den Trainer, die Trainingsmittel und auch sein eigenes Verhalten auf die Bedürfnisse der Trainierenden entsprechend anzupassen. Die Anpassungskompetenz zeigt sich durch maßgeschneiderte Trainingsinhalte sowie eine an die Trainingsgruppe angepasstes Beurteilungsvermögen.

Die Organisationskompetenz bezieht sich auf die Fähigkeit, die Trainingseinheiten zu koordinieren und in einer methodisch sinnvollen Reihenfolge reibungslos ablaufen zu lassen. Gemäß dem gewählten Vermittlungskonzept ist es wichtig, die einzelnen Trainingsteile (u. a. Spielform, Übungsform, Körperübungen) zu strukturieren. 

Das Kompetenz-Netzwerk

Nach Ansicht der Sportpsychologen fördert das gut abgestimmte Zusammenspiel der genannten Trainer-Kompetenzen einen Verhaltensprozess, der positive Empfindungen bei den Trainierenden erzeugt.

Zu Beginn des Prozesses erkennt der Trainer über Kontextsensibilität und Empathie die Ausgangssituation der Trainingsgruppe. Das Ergebnis dieser Situationsanalyse beeinflusst in starkem Maße die Auswahl der Trainingsinhalte (Fachkompetenzen) sowie der Verhaltensstrategien (sozial-emotionale Kompetenzen). Ein fachkompetenter Trainer hat den Vorteil, dass er aus einem größeren „Pool“ an Trainingsmitteln schöpfen kann. Eine hohe Fachkompetenz verschafft dem Trainer zudem die Möglichkeit, die erforderlichen Fertigkeiten (motorische Kompetenzen) besser demonstrieren und präzisere Anweisungen geben zu können. Trainer mit hohen sozial-emotionalen Kompetenzen profitieren von einer größeren Auswahl an verschiedenen Verhaltens- und Kommunikationsstrategien. In den Interviews wurde über alle Sportarten hinweg die Aussage getroffen, dass Trainer mit etwas „Gefühl“ (Empathie/Beziehungsmanagement) Übungen und Bewegungsabläufe besser erklären können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die Fähigkeit, Kommunikationsstrategien und Trainingsinhalte auf den sozialen Kontext und die Erfordernisse der Trainingssituation anzupassen. Das bedeutet, dass der Coach sein Verhalten auf die spezielle Situation anpassen und antizipieren muss, welche Auswirkungen sein Verhalten auf die Trainierenden haben könnte. Darüber hinaus muss der Trainer die Trainingsinhalte auf den Fitnessstand und das Leistungsniveau der Trainierenden anpassen (Adaptionskompetenz).

Die Inhalte basieren auf der Studie "Coach competences to induce positive affective reactions in sport and exercise – a qualitative study.", die 2019 im Journal "Sports" veröffentlicht wurde.

Literatur

  1. Strauch, U., Wäsche, H., & Jekauc, D. (2019). Coach Competences to Induce Positive Affective Reactions in Sport and Exercise—A Qualitative Study. Sports, 7(1), 16.

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